10 mal erfolgreicher als der Wettbewerb – Teil 2

Jim Collins beschreibt in „Great by Choice“, wie in „10 mal erfolgreicher als der Wettbewerb“ beschrieben, neben „Fanatischer Disziplin“ als weiteren Erfolgsfaktor „Produktive Paranoia„. Damit meint er, ständig auf der Hut zu sein, ohne sich aber lähmen zu lassen. Eine Strategie ist der Aufbau von überdurchschnittlichen Cash-Reserven, Sauerstoff-Vorrat für schlechte Zeiten, wie er das nennt. 10x’er priorisieren zudem Risk-Management, insbesondere für existentielle Risiken, asymmetrische Risiken, deren negative Folgen möglichen Nutzen deutlich übersteigen und für unkontrollierbare Risiken. Ergänzend propagiert er „Zoom Out – Zoom In“. Zoom Out bedeutet, bei Gefahr blitzschnell zu screenen, wieviel Zeit für eine Entscheidung bleibt und ob die Pläne tatsächlich angepasst werden müssen. Das erinnert an die asiatische Weisheit, „nimm Dir Zeit, wenn Du schneller werden möchtest“. Zoom In steht bei Collins für schnelle, ausgezeichnete Umsetzung.

Mit Empirischer Kreativität skizzieren Collins und Hansen ein Feld, dass üblicherweise im Innovationsmanagement diskutiert wird. Sie empfehlen mit dem Prinzip „Fire Bullets, than Cannonballs“ jedoch einen gleichermaßen pragmatischen wie wirksamen Ansatz. Gemeint ist, jede Innovation zunächst in kleinem Umfang, mit überschaubaren Kosten, geringem Risiko und ohne die langfristigen Ziele zu gefährden, zu testen (Bullets). Die Idee wird in mehreren eng begrenzten „Feldversuchen“ empirisch getestet. Erst wenn die Ergebnisse eindeutig positiv sind und hohe langfristige Gewinne zu erwarten sind, werden umfassende Ressourcen für eine breite Markteinführung konzentriert (Cannonballs).

Spannend ist, das die Erfolgsfaktoren bei Unternehmen jeder Größe angewendet werden können. Als Start up haben Sie sogar die Chance, die Kultur Ihres Unternehmens von Anfang an nach diesen empirisch fundierten Prinzipien zu gestalten. Wo stehen Sie als Führungskraft, wenn Sie sich mit den Besten messen? Wie weit setzen Sie die Prinzipien schon in Ihrem Unternehmen um? Wie können Sie als Personaler die Initiative ergreifen?

Wegweiser zu einer menschlichen Medizin

Kürzlich hatte ich eine Begegnung mit einem beindruckenden Menschen, Prof. Dr. Walter Möbius, dem früheren Chefarzt der Inneren Abteilung des Johanniter Krankenhauses in Bonn und Arzt des Vertrauens vieler Diplomaten und Politiker der Bonner Republik, u.a. auch Helmut Kohl. Heute berät er als Mittler zwischen Patienten und Einrichtungen im Gesundheitswesen. Er baut dabei ein Netzwerk auf, das vor allem durch Qualität und menschliche Zuwendung geprägt ist.

Sein Herzensanliegen ist Menschlichkeit in der Medizin, trotz aller High Tech und moderner Medikamente. In seinem Buch „Menschlichkeit ist die beste Medizin“ beschreibt er als Orientierung für Ärzte und Patienten 7 Wegweiser:

  1. Hinsehen
  2. Fragen und Zuhören
  3. Mitfühlen
  4. Tasten und Berühren
  5. Gespräche
  6. Kreativität
  7. Vertrauen

Er beschreibt seine Wegweiser sehr lebendig mit Geschichten aus seiner ärztlichen Praxis, z.B. schildert er sehr plastisch den Fall eines Patienten mit Burnout-Syndrom. Für jeden Wegweiser bietet er dem Patienten eine übersichtliche Checkliste an. Das Buch liest sich leicht wie ein Roman, hat aber großen Tiefgang. Auf meiner persönlichen Rangliste der gleichermaßen „weisesten“ wie nützlichen Bücher der letzten 10  Jahre steht es ganz weit oben.

Die 7 Wegweiser sind aus meiner Sicht nicht nur für Patienten und Ärzte eine unschätzbare Leitlinie. Vielmehr können sich alle Professionen, die mit Menschen arbeiten, an diesem Kompass orientieren. Wie nutzen Sie die Wegweiser für die Weiterentwicklung des Gesundheitsmanagements in Ihrem Unternehmen?